Raubfisch-Revier
  Köderführung
 
Die Köderführung mit Kunstködern

Bei der Führung des Köders sind zwei Aspekte von entscheidender Bedeutung:
einerseits gilt es, dem Köder ein möglichst aufreizendes Spiel zu verleihen, welches
den Fisch zum Anbiss reizt, andererseits muss natürlich der Köder erst mal in die
Region, in der der Fisch beisst. Deshalb möchte ich Bereich Köderführung in zwei
Teile aufteilen:

Die Köderführung im Grossen bezieht sich darauf,
welche Bahn der Köder im Wasser beschreibt von der Einwurfstellebis er das Wasser verlässt.
Die Köderführung im Kleinen meint hingegen,
dem Köder durch Unregelmässigkeiten beim Einholen zusätzliche Reize zu verleihen.

Köderführung im Grossen

Der Köder beschreibt in der Regel nicht einfach eine gerade Linie von der
Einwurfstelle zu Rutenspitze, sondern wird durch verschiedene Kräfte
abgelenkt: Schwerkraft, Strömung, durch seine eigene Form (insbesondere
natürlich die Tauchschaufel eines Wobblers). Gleich nach dem Einwurf stellt
sich bei allen sinkenden Ködern gleich die Frage: sofort einholen oder
absinken lassen? Diese Frage wird natürlich durch die Standorte der Fische
beantwortet: Beissen sie ausschliesslich in unmittelbarer Grundnähe, soll der
Köder einen möglichst grossen Teil seines Laufs dort zubringen und man
lässt ihn absinken. Beissen sie an der Oberfläche, oder ist das Gewässer
sehr flach, beginnt man sofort mit dem Einholen. Bei hängerträchtigem Grund
wird man probieren den Köder nur in Grundnähe zu lassen. Dazu muss man
aber eine Ahnung von der Tiefe des Gewässers und von der
Sinkgeschwindigkeit des Köders haben.
Die nächste Frage ist dann, welches denn die richtige Geschwindigkeit
zum Einholen ist. Dabei geht es hier in erster Linie mal um die Tiefe, die
der Köder erreichen soll. Wenn beispielsweise die Forellen mal wieder auf
Grundnähe fixiert sind und dann muss der Köder langsam geführt werden,
damit er tief genug läuft. Es gibt auch Fälle, wo man den Fisch an einem
bestimmten Ort vermutet, an dem der Köder dann vorbeigeführt werden soll
. Ein Fisch steht in der Strömung hinter einem Stein und der Köder muss nun
eben möglichst nahe am Fisch vorbeigeführt werden. Oder man vermutet ein
paar Barsche in mittlerer Tiefe an einem im Wasser stehenden Pfosten und
muss den Pfosten mit einem Schwimmwobbler weit genug überwerfen, damit
er am Pfosten die gewünschte Tiefe erreicht. In diesen Fällen muss der Köder
am richtigen Ort ins Wasser treffen, um überhaupt den Standplatz des Fisches
zu erreichen. Wenn die Strömung dazukommt, beschreibt der Köder sowieso
schon einen Bogen, der auch einberechnet werden muss. Es geht also immer
darum, den Köder in eine Zone zu bringen, in der er vom Fisch attackiert wird,
wobei ich nochmals darauf hinweisen möchte, dass einige Zentimeter näher
am Grund (oder an einem Hindernis), oder sogar Grundkontakt oft der Schlüssel
zum Erfolg sein können, seltener ist es, dass der Köder an die Oberfläche muss,
aber auch dort, ist der Kontakt zur Oberfläche und damit das Erzeugen von allerhand
plätschernden oder glubschenden Geräuschen oft ein Schlüsselreiz für den Anbiss. 

Köderführung im Kleinen

Die einfachste Köderführung besteht gewiss darin, den Köder einfach gleichmässig einzuholen. 
Aber auch da gibt es Varianten im Tempo, die Entscheidend sein können.
Wir haben ja schon gesagt, dass wir den Köder oft langsam führen müssen,
um in Grundnähe zu bleiben. Manchmal möchten die Fische aber einen schnelleren Köder,
der Trotzdem in Grundnähe sein muss. Dann hilft nur ein Wechsel auf ein schwereres Modell,
welches in der gleichen Tiefe schneller geht oder ein Wobbler, der auch schnell
geführt noch recht tief läuft. Häufig genug ist aber eine gleichmässige Köderführung
nicht genug Anreiz für den Fisch um zuzubeissen. Wir müssen die Köderführung
variieren, um den Fisch zu reizen. Oft genug schnappt zwar der Fisch schon
nach unserem Köder, wenn er nur nah genug vorbeischwimmt, aber durch
abwechslungsreiche Führung könne wir manchen Nachläufer zum Anbiss bewegen
oder einen weiter entfernt stehenden Fisch herbeilocken.
Eine einfache Variante ist es,
einfach mit dem Einkurbeln zu stoppen. Bei Twistern und Gummifischen gehört das zur Routine,
aber auch bei Spinnern und Blinkern, die dann zum löst es oft den Angriffsreflex aus.
Offenbar erweckt der absinkende Köder den Eindruck, er wolle sich am Grund in Sicherheit
bringen und das wollen unsere Räuber natürlich verhindern. Auch das Beschleunigen des
Köders, welches sich bei sinkenden Ködern vor allem in Ufernähe anbietet, erweckt
den Eindruck einer Flucht und löst oft den Angriff aus. Im Grossen ganzen muss ich
aber sagen, dass ich mit Stoppen oder plötzlichen Richtungswechseln mehr Erfolg
habe, als mit Beschleunigen. Noch stärkere Unregelmässigkeiten erreichen wir, indem
wir mehr oder weniger oft einen Ruck mit der Rute machen, der sich auf den Köder
überträgt. Hierbei gibt es nun unzählige Varianten, wie oft, wie stark und wie weit die
Rucke sind. Manche Köder werden überhaupt nur mit Rucken geführt, vor allem bei
Oberflächenködern und bei Weichplastikködern mit Bleikopf ist dies der Fall.
Bei den Plastikködern ist es aber durchaus nicht die einzige Köderführung,
die zum Erfolg führt, ein gleichmässiges Einkurbeln mit gelegentlichem absinken
lassen ist manchmal genauso gut oder besser. Popper, Jerkbaits und auch ganz
normale Wobbler, werden aber mit grossem Erfolg Ruckartig geführt.
Dabei ist es wichtig, die Rucke nicht zu Monoton werden zu lassen, an der Oberfläche kann man
als Faustregel sagen: 1-3 Rucke mit 1-3 Sekunden Pause, dass ganze so gemischt, dass es
schön unregelmässig wirkt, also z. B. 1 Ruck, 3 Sekunden Pause,2 Rucke 1 Sekunde
Pause, 1 Ruck etc. Ich habe es schon oft erlebt, besonders bei Barschen und
Schwarzbarschen, dass die Köderführung wirklich richtig unregelmässig bis zu
Unberechenbarkeit sein musste, ein gleichmässiger Rhythmus (Ruck, Pause, Ruck, Pause
oder Kurz, Kurz, Lang, Kurz, Kurz, Lang) war ihnen schon zu fad. Auch bei de
r ruckartigen Führung ist das Tempo oft entscheidend. Man kann das ganze
ziemlich schnell und aggressiv machen, wie ein angeschlagener Fisch der in Panik zu
entkommen sucht. Oder ganz schwächlich, zuppelig einen sterbenden Fisch
imitieren, was besonders gut geht mit schwebenden Wobblern oder unbeschwerten
Gummiködern. Auch Gummiwürmer für Schwarzbarsche werden oft extrem langsam
geführt. Unregelmässigkeiten im Lauf des Köders werden auch erreicht, wenn der
Köder am Grund oder an Hindernissen anstösst. Besonders tieftauchende Wobbler
werden oft regelrecht aus der Bahn geworfen, wenn Ihre Tauchschaufel aufschlägt
und sie dadurch vorübergehend ihren Abtrieb verlieren.

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